Schule 1857: 052. Wie stellt sich das französische Eisenbahnwesen äußerlich dar?

Mit praktischem Takte haben die Franzosen den Mittelweg zwischen den Fehlern der Engländer und Deutschen eingeschlagen. Ihre Stationen haben die technisch vollkommnen Hülfsmittel der englischen, ohne in die Knauserei in den Räumlichkeiten derselben zu verfallen, oder andererseits den Luxus der Deutschen nachzuahmen. Der Bau, die Betriebsmittel sind höchst solid, die Personenwagen bequem, ohne durch zu große Comforts der unteren Classen das Publikum vom Gebrauch der oberen abzuwenden. Die Güterstationen sind sehr weise, durchaus von den Personenstationen getrennt, die thunlichst tief in die Städte eingeschoben sind. Optische Signale werden nur zu localen Kundgebungen benutzt, die Uniformirung der Beamten ist zwar durchgeführt, aber weit weniger militairisch als in Deutschland, sodaß die Kleidung nicht die Thätigkeit der Leute beeinträchtigt.
Nicht frei gehalten hat sich die französische Administration von zu allgemeiner Concentration der Geschäfte in den oberen Beamtenschichten, wodurch ein zu ausgedehntes schriftliches Verfahren entsteht, viel Schemata auszufüllen und Berichte zu erstatten sind, was der Freiheit des Handels und somit dem Dienste schadet.