Schule 1857: 078. In wiefern wirkt die Beschaffenheit des Grundes auf die Schwierigkeit des Brückenbaues?

Die Unterlage, auf der eine Brücke im Boden ruht, muß im Stande sein, deren Last unwandelbar zu tragen. Ist nun der Boden an der Stelle, wo eine Brücke hinzustehen kommen soll, zu weich dazu, so muß bis auf eine gehörige feste Lage von Kies, Sand, Felsen oder dergleichen hineingegraben werden, ehe die ersten Schichten gemauert werden können. Ist eine solche Lage nicht zu finden, oder liegt sie doch zu tief, so müssen, mittels sogenannter Rammmaschinen, Pfähle von oft ansehnlicher Länge, Anzahl und Stärke so dicht neben einander eingestoßen werden, daß sie fest genug sitzen, um in ihrer Gesammtheit die Last des Pfeilers, der auf sie zu stehen kommt, zu tragen. Um den Druck gleichmäßig auf die Pfähle zu vertheilen, bringt man eine Zimmerung von starken Hölzern darauf, Schwellrost genannt, oder man gießt eine starke Schicht einer gewissen, im Wasser erhärtenden Masse, „Beton“ genannt, darauf. Wenn der Grund einigermaßen gut ist, reicht oft auch ein Schwellrost allein oder eine starke Schicht Beton ohne Pfahlrost aus, die Pfeiler zu tragen. Oft müssen die Fundamente der Brücken durch ringsum eingerammte Wände von Spundpfählen, die in einander greifen, durch Abpflasterung des Grundes umher etc. vor dem Unterwaschen gesichert werden. Die Pfeiler der meisten Brücken stehen im Wasser. Um sie begründen zu können, müssen die betreffenden Stellen trocken gelegt werden. Man umgibt sie daher mit doppelten, drei- und mehrfachen Wänden von dicht eingerammten Pfählen, zwischen welche man Lehm, Rasen etc. stampft (Fangdämme). Dann pumpt man den Raum in der Mitte aus, und kann so auf dem Wassergrunde mauern. In neuerer Zeit hat man in England und Frankreich auch eiserne und blecherne Kasten statt der Fangdämme angewandt, auch ganze Fundamente bis zur Höhe des niedrigsten Wasserstandes aus Beton gegossen. Je tiefer das Wasser, um so stärker der Druck und das Bestreben, die Fangdämme zu durchdringen, um so kostspieliger daher die Herstellung derselben, das Auspumpen etc., um so zweckmäßiger die Anwendung neuer Fundamentirungsmethoden, bei denen Beides nicht nöthig ist. Eiserne und hölzerne Brücken bedürfen weniger fester Fundamente, als steinerne, der geringen Last wegen, auch schadet hier eine kleine Senkung weniger.