Der Völkerverkehr war bekanntlich im Mittelalter ein verhältnißmäßig sehr geringer, deshalb wurde der Straßenbau in ganz außerordentlicher Weise vernachlässigt. In Frankreich finden sich bis in das siebente Jahrhundert keine geschichtlichen Spuren anderer Straßen als der von den Römern übrig gebliebenen. Karl der Große ließ in Italien und Frankreich diese wieder herstellen, und einige neue, besonders Gebirgsstraßen in den Alpen bauen. Obgleich man im Anfange des zweiten Jahrtausends unserer Zeitrechnung die Wegegelder etc. in Frankreich verpachtete, so scheint doch für die Straßen bis zur Zeit Ludwig XII. fast nichts geschehen zu sein. Von da ab wird durch die Gesetzgebung auf Bau und Unterhaltung der Straßen hingewirkt. Aber erst unter Ludwig XIII. im Anfange des 17. Jahrhunderts wird der Bau guter Wege wesentlich gefördert und Frankreich hat 5—6000 Stunden gute Straßen aufzuweisen, die zum großen Theil durch Frohndienstleistungen gebaut sind. Das wachsende Bedürfniß für Unterhaltung der Straßen machte am Ende des 18ten Jahrhunderts die Anstellung besonderer Beamten dafür nothwendig, aus denen sich im Jahre 1791 das Corps des ponts et chaussees entwickelte. In den Jahren 1800—1812 wurden 300 Mill. Frcs. für Straßenbau verwendet und 1845 hatte Frankreich schon 20,000 Lieues Straßen.
In England bewegte sich der Verkehr bis zum Jahre 1000, außer auf den Römerstraßen, nur auf den ebenen Flußufern und mittels Packpferden auf Fußpfaden. Das erste Gesetz über die Herstellung von Straßen ist vom Jahre 1285. Gesetze für die Herstellung von Straßen, die mit Wagen passirbar waren, erschienen unter Eduard III. und Heinrich III. Unter Karl II.
1685 entstanden die ersten Schlagbäume und Zollstätten auf den Straßen, von deren Einkünften sie unterhalten wurden (turnpike roads). Die meisten dieser Hochstraßen waren bis Anfang dieses Jahrhunderts in mittelmäßigem Zustande, jedoch zum größten Theile durch Privatunternehmungen gebaut. Ein höchst geistvolles System der Verkehrsstraßen für England wurde von Telford entworfen und zum großen Theile von diesem berühmten Ingenieure ausgeführt, von dem ab Englands Superiorität über alle andern Völker im Straßenbau datirt.
In Deutschland geschah für den Straßenbau im Mittelalter außerordentlich Wenig, obwol hie und da auf großen Routen zwischen den hervorragendsten Handelsplätzen die Uebergänge über Flüsse durch Brücken vermittelt wurden. Die ersten Straßen von gründlicherer Anlage besaßen die Rheinprovinzen, sodann Würtemberg, Sachsen, Brandenburg und Oesterreich. Franz I. und Maria Theresia ließen eine Anzahl Straßen ausführen. Im Jahre 1808 besaß Oesterreich schon 1000 Meilen Staatsstraßen. Der Bau der Straßen durch dafür vorgebildete Leute geschah in Deutschland erst vom Anfange dieses Jahrhunderts an, woher auch die ersten rationell angelegten Wege datiren.