Encyclopädie 1890: Abdachung

f., einer Böschung, Dossierung, f. (Sloping of a talus; Talus m.). Die zulässige Abdachung oder Neigung der Böschungen ist bedingt bei Einschnitten durch die Kohäsion der Masse in ihrer natürlichen Lagerung, bei Dämmen durch die Reibung der gelösten Materialienteile und bei beiden außerdem noch durch das Verhalten der Masse gegen die äußeren Einwirkungen der Atmosphäre und des Wassers. Die Ermittlung des natürlichen Böschungswinkels ist für Aufträge durch Aufschüttung des gelösten Materials leicht zu bewerkstelligen. Für die Praxis ist es aber erforderlich, die Böschungen flacher zu halten, als dieser Winkel anzeigt, da sich derselbe auf den Zustand des Gleichgewichts bezieht, welches durch äußere Einwirkungen leicht gestört wird. Gewöhnlich wird es ausreichen, die Böschungen um die Hälfte mehr ausladen zu lassen. Bei Einschnitten ist es schwierig, die zulässige Neigung der Böschungen durch Versuche direkt zu bestimmen, indem in vielen, namentlich fetten Bodenarten, frisch abgestochene Wände sich bedeutend steiler halten, als sie sich später infolge der wechselnden Einwirkungen des Wetters böschen. Werden solche Einschnittswände schnell durch wirksame Bekleidungen gegen das Wetter geschützt, so gestatten sie oft eine steilere Lage als Dammböschungen in demselben Material. Dagegen sind Einschnittsböschungen in quelligem, mit durchlässigen Schichten durchzogenem Terrain mehr gefährdet und verlangen eine flachere Neigung als die Böschungen der aus solchem Material geschütteten Dämme, wenn die Aufschüttung sorgfältig unter Fernhaltung der vom Wasser durchweichten Massen geschehen ist. Nach der Praxis vieler Ingenieure werden, mit Ausnahme von Fällen letzterer Art, den Einschnitten steilere Böschungen gegeben als den Dämmen: gebräuchlicher ist es jedoch, in erdigem Terrain das Böschungsverhältnis für Dämme und Einschnitte gleich zu rechnen und nur bei Fels und Gestein verschieden. Allgemein gültige Regeln über die Neigung der Böschungen lassen sich nicht aufstellen, indem die Standfähigkeit einer und derselben Bodenart je nach den örtlichen Verhältnissen sehr verschieden sein kann. Unter gewöhnlichen Umständen empfiehlt Henz, Anleitung zum Erdbau: 1. in Gartenerde, Torf und anderm gleichartigen Boden 2fach (d. h. das Verhältnis der Basis zur Höhe ist wie 2 : 1). 2. in Lehm und Sand 1 ½fach, 3. in Thon, Kies und Gerolle 1 ¼fach, 4. in weichem Tagegestein, Mergel 1fach, 5. in festem Gestein im Auftrag ¾fach, 6. in festem Gestein im Abtrag ⅓fach bis senkrecht zu nehmen. Heusinger.