Schule 1857: 067. Welches ist dann das Geschäft des Oberingenieurs, wenn ihm dieses Bild der Gegend der Bahn vorliegt?

Er zeichnet die Bahnlinie, nicht allein mit Rücksicht auf die im gegebenen Terrain möglichen, günstigsten Steigungen und Krümmungen, sondern auch auf thunlichste Oekonomie der Grunderwerbung und vor Allem der Vertheilung der auszugrabenden oder aufzuschüttenden Massen in die Karte ein, ohne natürlich die Haupterfordernisse der Bahnrichtung, nämlich die Erfüllung von deren Verkehrzwecken, die Lage gegen die Orte und Productionspunkte etc. aus den Augen zu lassen. Diese Arbeit ist außerordentlich schwierig, erfordert sehr viel Umfang und Klarheit des Geistes und umsomehr Gewissenhaftigkeit, als vorgekommene Fehler, wenn sie nicht geradezu sehr grob sind, von Niemanden als dem, der das vorhandene Material in gleicher Weise wie der Oberingenieur benutzen darf, entdeckt werden können. Welche Summen flüchtige und geistlose Oberingenieure dem Publikum schon gekostet haben, ist mit einzelnen Mill, nicht auszudrücken. So wird ein Oberingenieur unter gewissen Verhältnissen eine günstige Steigung oder Krümmung aufgeben, um an Länge eines Tunnels, an Höhe einer Brücke zu sparen, er wird die Linie verschieben, wenn Dämme und Einschnitte wechseln, bis die Masse, welche aus letzteren gewonnen wird, ganz oder nahezu zu Schüttung der ersteren ausreicht, wird unter Verhältnissen den Trakt tiefer in Felsen ziehen, wenn in der Nähe große Steinmassen gebraucht werden, wird zu erwägen haben, ob ein kleiner Umweg, eine Erhöhung von Brücken oder Dämmen nicht hie und da der Durchschneidung kostbarer Ländereien, dem Ankauf von Gebäuden vorzuziehen sei. Diese fast fortwährend auftretende Wechselwirkung aller dieser Erwägungen zu gleicher Zeit machen die gewissenhafte Auslegung einer Bahnlinie zu den anstrengendsten Geschäften des Technikers.