Schule 1857: 097. Wie geschieht die Ausführung der Tunnels, daß sie unter der Erde die gehörige Richtung erhalten?

Die Linie des Tunnels wird zunächst auf der Oberfläche abgesteckt. Dann in gewissen Distanzen Bohrlöcher bis auf die Tiefe der Unterfläche des Tunnels getrieben, um die Bodenbeschaffenheit kennen zu lernen. Eine Anzahl dieser Löcher wird sodann in Arbeits- und Versuchsschachte verändert, die man zuweilen in sehr beträchtlichen Dimensionen bei 20—28 F. Durchmesser, ebenfalls bis auf die Sohle des Tunnels eintreibt. Der Zufluß des Wassers hierin zeigt, mit welchen Schwierigkeiten man in dieser Beziehung zu kämpfen haben wird. Sind diese groß, so schreitet man zur Treibung eines Stollens von den Tunnelenden her, nach den ersten Schachten und von diesen aus nach den Tunnelenden hin. Ist dieser vollendet, so fließt das Wasser aus und man kann den Zwischenraum zwischen zwei Schachten in Arbeit nehmen, wobei immer nur in einem Schachte an jedem Tunnelende künstlich Wasser gehoben werden muß. Geht der Stollen die ganze Tunnellänge entlang, so ist die Wasserabführung bewirkt und es kann zur Erweiterung des Stollens bis zur Oeffnung des wirklichen Tunnels geschritten werden. Dies geschieht an mehreren Punkten, oft von allen Schächten aus, zugleich, und man trägt Sorge, die Theile, welche die richtige Dimension erreicht haben, sofort mit Hau- oder Backstein auszumauern, so daß das eigentliche Tunnelgerüst vorwärts schreitend und hinter sich Gewölbe zurücklassend benutzt werden kann.
Die nebenstehende Skizze (Fig. 9 und 10) stellt das von Robert Stephensons beim Bau vom Kilsby-Hill-Tunnel benutzte Gerüst dar. d ist der zuerst getriebene Stollen, a a das fortschreitende Mauerwerk, und b. und p. das Leer- und Mauergerüst. Wird der Tunnel durch Gestein geführt, so läßt man oft auch die Masse, in der Mitte entlang, als Stütze für das Gerüst stehen.